Markus und die „Nambawan“: Mitsegeln im Mittelmeer!

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Mitsegeln im Mittelmeer

Nach den Interviews mit einer Südsee-segelnden Familie und dem Einhand-Käpt’n aus der Karibik, kommen wir heute einheimischen Gewässern mal ein bisschen näher. Zwar geht es nicht an die Ost- oder Nordsee, da wäre es mir im Moment dann doch zu kalt zum segeln, dafür ins Mittelmeer. Dort gibt es eine Menge toller Segelreviere mit schönen Buchten, vielen Inseln und viel Küste zum Absegeln. Für uns hat es noch einen Vorteil: Es ist sozusagen um die Ecke.

Das Mittelmeer ist das Heimatrevier von

Markus mit seiner Segelyacht „Nambawan“

Markus Silbergasser hat (noch…) einen festen Wohnsitz in Österreich, verbringt aber jedes Jahr mehr Zeit auf seinem Segelboot, der „Nambawan“. Im letzten Jahr war er vor allem in Italien, Griechenland und Krotien unterwegs. Er berichtet ziemlich regelmäßig, ausführlich und mit vielen Fotos von seinen Segeltörns auf seinem Blog.

Immer wieder hat Markus auch Mitsegler an Bord: Oft Freunde von ihm, immer wieder aber auch „Tramper zur See“ – auch ich habe mir im letzten Sommer immer wieder vorgenommen, bei ihm anzuheuern, habe es aber irgendwie nie organisiert bekommen. Vielleicht klappt’s ja im nächsten Jahr, aber jetzt gibt Markus mir und euch erst einmal jede Menge Tipps zum Mitsegeln. Und: Tipps zum Bootskauf, der irgendwann, irgendwann auch bei mir mal klappen sollte. Zumindest träume ich davon…

Hey! Ich bin eine Überschrift, bitte ändere mich

Mehr zum Thema:

Du planst dein eigenes Abenteuer als Mitsegler? → Alle Infos zum Mitsegeln!

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Segelyacht Nambawan
Die Segelyacht Nambawan vor Anker (Foto: Markus Silbergasser)

Womit verdienst du eigentlich deine Brötchen oder anders gefragt: Wie bezahlst du den ganzen Quatsch?

Markus:
Ich arbeite seit 2005 als freiberuflicher Unternehmensberater. Meine Kunden sind großteils mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Arbeitsschwerpunkte sind Marketingkonzepte entwickeln und umsetzen. Online-Marketing nimmt dabei in den letzten Jahren einen immer größeren Teil der Arbeit ein. Davor war ich bei einem der weltweit führenden Hersteller von Baumaschinen in den Bereichen Projektmanagement, Wertanalyse, Produktcontrolling sowie der Leitung konzernübergreifender Projekte über 20 Jahre lang tätig. Nach so vielen und intensiven Arbeitsjahren haben wir uns letztes Jahr den Traum einer eigenen Yacht erfüllt.

Bist du generell allein unterwegs oder kann man bei dir auch mitsegeln? Wie sieht dein idealer Mitsegler aus?

Ich bin eigentlich kein Einhandsegler-Typ. Am liebsten segeln Monika und ich zu zweit oder mit einem befreundeten Paar. Nachdem meine Lebenspartnerin Monika aber im Moment nicht so viel Zeit hat, nehme ich gerne auch Mitsegler mit.

Dem idealen Mitsegler bzw. der idealen Mitseglerin soll das „einfache Leben“ an Bord Spaß machen.

Das heißt, sie sollen mit dem Süßwasser an Bord sparsam umgehen und sich gut in die restliche Crew einfügen. Naturliebhaber, die eine Begeisterung für das Segeln mitbringen, Wert auf Kulinarik legen und gut aufs Schiff aufpassen, werden bestimmt gut mit uns harmonieren.

Delfine im Mittelmeer
Wohl das beliebteste Fotomotiv auf Segelbooten… (Foto: Markus Silbergasser)

Kommen bei deinem Leben Freundschaften und Familie nicht zu kurz? Vermisst du das?

Durch die drei bis vier Monate im Jahr an Bord muss ich die restlichen Monate ziemlich intensiv arbeiten, und da bleibt natürlich wenig Zeit für Familie und Freunde. Die besuchen mich aber in der Regel einmal jährlich an Bord und dann können wir die Zeit dafür intensiv nutzen und genießen. Das gute und immer frisch zubereitete Essen meiner Mutter vermisse ich aber schon öfters!

Hast du eigentlich in jedem Hafen eine Frau?

Nein, ich bin seit fast 10 Jahren glücklich mit Monika in einer festen Beziehung. Wir haben aber in vielen Häfen oder Buchten unser Lieblingsrestaurant.

Ein Lieblingsrestaurant in jeden Hafen... (Foto: Markus Silbergasser)
Ein Lieblingsrestaurant in jeden Hafen… (Foto: Markus Silbergasser)

Pfeifst du bei dir an Bord? Bist du abergläubisch?

Ich pfeife eigentlich das ganze Jahr nie und daher auch nicht an Bord. Habe aber gehört, dass das früher auf manchen Schiffen verboten war, da es Unglück bringt. Ich bin aber keinesfalls abergläubisch – bei mir an Bord darf jeder pfeifen solange es die anderen nicht nervt!

Warst du an Bord schon mal in einer Situation, in der du es mit der Angst zu tun bekommen hast?

Richtig Angst hatte ich noch nie an Bord.

Großen Respekt von den Naturgewalten hab ich hingegen ständig!

Aktionen mit mulmigem Gefühl im Bauch erlebten wir natürlich schon öfters. Vor vielen Jahren bin ich z.B. einmal mit Monika alleine von der südwestlichen Küste Teneriffas nach Radazul gesegelt. Unsere damaligen Mitsegler sind vorher ausgestiegen, da ihnen der Ritt zu wild erschien. Wir sind dann alleine hinaus aufs offene Meer und bei Sturmstärke und sehr hoher See gegen den Wind Tag und Nacht aufgekreuzt. Im Wellental sah man keine anderen Schiffe und auch die Küste nicht mehr. Die Gischt spritzte uns dabei in die Augen, als ob jemand mit einem Feuerwehrschlauch auf uns zielte…

Ein anderes Mal ist uns der Anker in einer Bucht vor Elba geslippt, während wir an Land Abendessen waren. Als wir nach dem Essen mit dem Dingy wieder aufs Boot wollten und am gesamten Ankerplatz Chaos herrschte, hatten wir schon kurzfristig Angst, dass die Yacht aufs offene Meer hinausgetrieben ist. Einheimische Fischer sicherten mit ihren Booten aber alle geslippten Yachten. In dieser Bucht kommt das laut nachheriger Recherche alle paar Wochen mal vor, wenn ein Wetterumschwung einsetzt. Seither achten wir natürlich noch mehr auf einen sicheren Ankerplatz!

Über die Jahre haben wir natürlich auch schon mehrere schwere Gewitter auf hoher See abgewettert. Da hat man dann vor Blitzschlag kurzzeitig Angst, der die gesamte Elektronik zerstören kann, was einem Segelfreund von mir heuer passiert ist.

Wetterumschwung vor Elba
Wetterumschwung vor Elba (Foto: Markus Silbergasser)

Hast du Tipps, wie auch ich irgendwann mal an mein eigenes Segelboot kommen kann?

Ich finde, dass du zu Beginn herausfinden musst, wie dein ideales Schiff aussehen soll. Dazu sind folgende Fragen hilfreich:

Wo willst Du damit segeln?

  • Tagestouren – alle Bootswerkstoffe möglich
  • Nord-Ostsee oder Mittelmeer – alle Bootswerkstoffe möglich
  • Barfußroute – alle Bootswerkstoffe möglich
  • Arktis bzw. Eistouren – bevorzugt Stahl- oder Aluyachten

Wie groß soll das Schiff sein?

  • Anzahl Kabinen bzw. Kojen
  •  Anzahl Nasszellen
  •  Länge in Fuß

Was willst du mit dem Schiff machen?

  • Privatnutzung
  • Kojencharter
  • Expeditionen

Erst wenn du eine ziemlich konkrete Vorstellung von deinem idealen Schiff hast, macht es Sinn, in den einschlägigen Bootsbörsen im Internet zu schmökern. Dann kennst du die ungefähre Investitionsgröße. Bei gebrauchten Booten kommen dann je nach Zustand der Yacht nochmals bis zu 100% an Kosten für die Revitalisierung hinzu. Auch die jährlichen Kosten sollen nicht unberücksichtigt bleiben. Faustformel dazu: Ca. 10% der Gesamtbootskosten fallen zusätzlich jährlich an für Liegeplatz, Versicherung, Antifouling, Motorservice, Pflegemittel und weitere Optimierungen am Schiff.

Wenn du die Parameter einigermaßen konkret kennst, kannst du dir überlegen, wie du am einfachsten und schnellsten bzw. leichtesten Weg zum nötigen Kleingeld kommst.

Jetzt kommt die Arbeit: Nambawan beim Kranen
Jetzt kommt die Arbeit: Nambawan beim Kranen (Foto: Markus Silbergasser)

Für meinen Bootskauf: Welche Dinge gefallen dir an deiner Nambawan, und was würdest du so nicht wieder kaufen?

Wir haben uns viele Jahre mit den o.a. Fragen beschäftigt und haben daher die für uns ideale Yacht gefunden. Einzig ein Lattengroß wäre uns lieber gewesen als ein Rollgroß, aber man muss bei einer Yacht auch immer Kompromisse eingehen. Natürlich würden uns auch größere Schiffe gefallen, aber wirklich brauchen tun wir den zusätzlichen Platz nicht! Die Kosten der Erhaltung würden aber rapide ansteigen, und daher sind wir froh, kein größeres Schiff zu haben.

Welches ist deine liebste Seglerweisheit?

Die Seglerweisheit von Mark Twain ist zwar schon etwas abgedroschen aber immer noch gut!

„Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do
than by the ones you did do. So throw off the bowlines.Sail away from the safe harbor.
Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.“

Körperhygiene auf See
Körperhygiene auf See (Foto: Markus Silbergasser)

Gibt es ein Traumziel, das du dir irgendwann mal erfüllen willst?

Ja, wir wollen mit unserer Nambawan unbedingt mal in die Südsee. Nambawan ist Bislama, die Amtssprache von Vanuatu, ein Inselgebiet, das sich im Südpazifik erstreckt. Nambawan bedeutet “exzellent, das Beste”. Bislama beruht größtenteils auf dem Englischen, deshalb lässt sich in Nambawan auch “number one” erkennen, wenn man genauer hinsieht. Wir haben uns für diesen Schiffsnamen entschieden, um uns unserem Ziel, diese Gegend der Welt einmal auf eigenem Kiel zu erkunden, einen Schritt näher zu bringen.

Gibt es etwas, was du den Bruder-Leichtfuß-Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Ich kann nur jedem Bruder-Leichtfuß-Leser empfehlen, probiert das Segeln einmal aus! Vielleicht begeistert euch dann das Segeln genauso wie uns oder Bruder Leichtfuß. Aber Achtung, wenn Ihr einmal vom Segelvirus infiziert seid, kommt ihr nicht mehr so leicht davon los! Für uns ist Segeln die beste und effizienteste Möglichkeit um zu entspannen und zum Abschalten. Wenn euch unsere Sichtweise vom Segeln gefällt, könnt ihr uns ja gerne mal ein E-Mail an flaschenpost@untersegeln.eu senden – vielleicht haben wir eine passende Koje für Euch frei!

Vielen Dank für dieses Interview, Markus! Ich wünsche dir, dass du es bald in die Südsee schaffst!

Nambawan unter Segeln
Die „Nambawan“ unter Segeln (Foto: Markus Silbergasser)

Links zu Markus und seiner Nambawan:

  • Der Blog: Außer Törnberichten findet man hier auch jede Menge Berichte zu Törnplanungen und -ideen und Geschichten rund um das Boot. Zur Zeit geht es zum Beispiel um ein Sicherheitstraining, das Markus sich selbst verordnet hat. Außerdem: Reiseerlebnisse von den Landgängen.
  • Die Facebookseite: Hier gibt’s Hinweise auf neue Artikel im Blog und Live-Fotos und Anekdoten von unterwegs.
  • Der Job: Markus ist selbstständiger Unternehmensberater und bietet zum Beispiel Workshops für Führungskräfte und Unternehmer auf Segeltörns an.

Hier gehts zu den Weltumsegler-Interviews:

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4 KOMMENTARE

  1. Sehr cool! Wir haben auch einen Tipps-für-Segelinteressierte Artikel bei uns veröffentlicht, sind aber noch eher Amateure. Wir setzen am Wochenende da mal einen Link zu dir wenn du nichts dagegen hast. Dein Blog ist ja die perfekte Infoquelle! LG von uns dreien

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