Flaute auf dem Atlantik

Auf meinem Weg per Anhalter über den Atlantik nähere ich mich auf der Segelyacht Mystique unaufhaltsam den Kanarischen Inseln. Nachdem wir die ganze Nacht weiterhin tolles Segelwetter mit fünf Windstärken aus Richtung Norden hatten, haben wir jetzt nur noch 140 Seemeilen vor uns und werden die Inselgruppe aller Voraussicht schon morgen erreichen.

In den Morgenstunden jedoch hat sich das Wetter geändert: der Nordwind drehte sich auf Süd, um dann komplett einzuschlafen. Randy entschied, den Motor wieder an zu werfen und nur das Hauptsegel oben zu lassen. Das gibt uns zwar keinen Schub, aber es stabilisiert das Boot, so dass es jetzt so gut wie gar nicht von einer Seite auf die andere „rollt“.

Wirklich nötig wäre das nicht, die See ist extrem ruhig, der Abstand zwischen den Wellenbergen und  -Tälern ist sehr groß und der Atlantik erinnert eher an die Binnenalster als an einen gefährlichen Ozean.

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Abgesehen vom Motorengeräusch ist es deshalb sehr gemütlich und komfortabel an Bord der Mystique. Schlafen und Kochen, Beschäftigungen, die bei mehr Seegang und Krängung (Schräglage des Bootes beim Segeln) ziemlich kompliziert oder sogar unmöglich werden können, sind überhaupt kein Problem.

Ich werde mich gleich daran machen, eine Pasta vor zu bereiten, damit wir fit sind für die Nachtschichten. Randy schläft, wie fast die ganze Zeit, wenn ich wach bin. Umgekehrt ist es genauso, wenn Randy wach ist, nutze ich die Zeit zum Schlafen und zum Kräfte sammeln.

Lanzarote in Sicht
Lanzarote in Sicht

Nachts kann es sehr anstrengend werden, sich wach zu halten, weil ja so wenig passiert hier an Bord. Maximal einmal in der Stunde kommt ein Schiff in unsere Nähe, heute Nachmittag habe ich im Umkreis von 30 Meilen keines gesehen. Trotzdem müssen wir aufmerksam bleiben, jederzeit kann aus dem Nichts ein marokkanisches Fischerboot auftauchen.

Die Fischer haben kein Geld für moderne Ausrüstung wie Radar und GPS, außerdem kennen sie häufig die Beleuchtungsregeln in der internationalen Schifffahrt nicht, oder sie beachten sie zumindest nicht. Auch Kollisionen mit Walen oder herrenlosen Containern oder Baumstämmen, die irgendwann irgendwo von irgendeinem Schiff gefallen sind, sind möglich und könnten einem kleinen Segelboot sehr gefährlich werden. Eine vernünftige, ausgeschlafene Wache ist deshalb lebenswichtig.

Aber wir haben uns mittlerweile ganz gut eingespielt, was den Rhythmus an Bord betrifft: Ich erledige meist den ersten Teil der Nacht, bis etwa zwei, drei Uhr, dann wecke ich Randy und gehe schlafen. Meine Wachschichten verbringe ich mit Lesen, Musik hören, Kochen oder Schreiben. Und immer wieder laufe ich zum Bug und genieße den Ausblick auf den Horizont. Ich mag es, keine Spuren von menschlichem Leben in Sichtweite zu haben, absolute Weite um mich herum.

Und die Sichtweite auf dem Ozean wird bei gutem Wetter nur durch die Erdkrümmung eingeschränkt, auch dieser Gedanke gefällt mir. Ich genieße die Zeit hier an Bord also in vollen Zügen, das ungute Gefühl vom zweiten Tag ist völlig verschwunden und ich finde es fast ein wenig Schade, schon morgen früh wieder auf Land stoßen zu werden.

Timo Petershttps://www.bruderleichtfuss.com
Timo Peters ist der Gründer und Chefabenteurer bei bruderleichtfuss.com. Ich verbringe meine meiste Zeit auf Reisen und stehe auf Abenteuer aller Art. Ich bin gerne in der Natur unterwegs: Zu Land wandere ich mit meinem Zelt durch die Wildnis, zur See gerne auf Segelbooten. Außerdem habe ich eine Leidenschaft für Reisen per Anhalter. Hier findest du mehr Infos über mich und diesen Blog.

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2 comments

  1. Habe einen Artikel über dich in der Zeitung gelesen. Finde es gut wie du dein Leben genießt. Werde deine Seite weiter verfolgen! Alles Gute. Werner

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