Wandern Mallorca: Von Port de Sóller zum Cúber-Stausee

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Wandern auf Mallorca

Rot-verbrannte Engländer und besoffene Deutsche, die zu schlechter Musik eimerweise süßen Rotwein trinken – ich gebe es zu: Bis vor kurzem kamen auch mir die klassischen Mallorca-Klischees in den Sinn, wenn ich an die Balearen-Insel dachte.

Aber es ist natürlich wie so oft: Es gibt auch noch eine zweite Seite der Medaille. Im Norden der Insel gibt es viele, kleine und ruhige Bergdörfer und vor allem: Das Tramuntana-Gebirge bietet eine Menge Natur und Wildnis! Weil Flüge nach Mallorca ja häufig ziemlich günstig zu haben sind, zog es mich so zum Wandern nach Mallorca.

Für meine Tour wählte ich den Fernwanderweg GR-221 aus, der auch Trockenmauerweg genannt wird. Er ist insgesamt etwa 150 Kilometer lang und führt von Port d‘ Andratx im äußersten Osten Mallorcas bis nach Pollença an der Nordspitze. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war dieser Satz, der sich in der Wikipedia finden läst: [pull_quote_center]Er gilt als anspruchsvoller Wanderweg, da er auf weiten Strecken durch alpines Gelände und fernab von besiedeltem Gebiet verläuft.[/pull_quote_center]

Das klingt nach genau der Art Abenteuer, die ich suche!

Leider steht doch auch zu lesen, dass sich der Wanderweg noch in der Markierungsphase befindet, die Anfangsetappen sind noch nicht fertig, einige Unterkünfte stehen noch nicht. Also entschied ich mich für einen Start in  Port de Sóller.

Wandern auf Mallorca: Von Sóller zum Cúber-Stausee

Biniaraix Dorf Mallorca
Das Bergdörfchen Biniaraix

In der Nacht vor dem Start der Wanderung quartieren wir uns im „Refugi Muleta“ ein. Es liegt direkt am Wanderweg und eignet sich damit perfekt als Startpunkt.

Die Strecke von Port de Sóller zum Cúber-Stausee ist die längste Etappe dieser Fernwanderung auf Mallorca. Wir starten deshalb, und um schon vor der Mittagshitze an diesem Septembertag einige Kilometer zu machen, früh am Morgen.

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Direkt vor dem Gartentor des Refugis beginnt der von „Trockensteinmauern“ gesäumte Wanderweg und führt uns zunächst in Richtung Sóller. Unterwegs können wir einige schöne Ausblicke auf das Tal von Sóller werfen. Nach etwa einer Stunde kommen wir in dem Städtchen an und nutzen die Gelegenheit, uns uns mit Wasser und Proviant ein zu decken.

Nach Sóller beginnt die erste echte Steigung unserer Wanderung: Knappe zwei Stunden lang geht es vorbei an Orangen- und Zitronenplantagen hinauf in das Bergdörfchen Biniaraix. In der Nähe der Kirche gibt es ein Cafe, in dem wir uns eine letzte Cola gönnen, um uns für heute von der Zivilisation zu verabschieden.

Durch die Schlucht von Biniaraix

Schlucht Biniaraix Trockenmauerweg Mallorca

Denn ab jetzt geht es in die Schlucht Barranc de Biniaraix, wo sich der gepflasterte Weg in Serpentinen sehr steil hinauf in Richtung Gipfel des Berges L‘ Ofre. Links neben dem alten Pilgerweg ragt eine Felswand noch oben, rechts dagegen geht es fast senkrecht nach unten. Dort sehen wir ein Bachbett: Der Bach ist jedoch jedoch im Moment trocken, wie wohl während der meisten Zeit des Jahres.

Zwischendurch bieten sich immer wieder schöne Rückblicke auf die Täler von Biniaraix und Sóller. Gelegentlich treffen wir auf Ziegen, Schafe und Esel – Menschen begegnen wir nicht.


Den Gipfel des Berges Puig de L’Ofre (1091 Meter) ersparen wir uns, sondern biegen am Ende der langen Steigung am Coll de L’Ofre links ab. Jetzt liegt nur noch ein kleinerer Aufstieg über einen felsigen Pfad vor uns, danach liegt plötzlich eine weite Hochebene vor uns. An deren Ende können wir jetzt schon den Stausee von Cúber erkennen.

Wenig später erreichen wir den See. Sein Wasserpegel ist sehr niedrig und der „Badestrand“, den unsere Wanderkarte ausweist, ist von einer Kuhherde belegt. Also nehmen wir kein Bad, sondern passieren den See und marschieren weiter.

Stausee Cuber Wandern Mallorca

… und eine Nacht im Heubett

Ursprünglich hatten wir geplant nach dem See noch ein Stündchen weiter zu wandern: Zum Refugi Tossal Verds. Leider sagte uns die freundliche Bedienung im Cafe in Biniaraix, dass diese Berghütte leider momentan geschlossen ist – hätten wir doch vorher dort angerufen!

Allerdings sind die Temperaturen jetzt im September noch ziemlich hoch in Mallorca. Wir haben wenig Lust, gleich auf der ersten Etappe schon irgendwelche Tricksereien mit Bussen oder gar Taxis anzuwenden. So beschließen wir, uns einfach irgendwo schlafen zu legen.

Unsere Verpflegung sollte gerade so ausreichen für zwei Tage – das ist aber auch schon alles. Wir haben keinerlei Ausrüstung zum Schlafen im Freien dabei – weder Schlafsäcke noch Isomatten geschweige denn ein Zelt. Das größte Problem ist jedoch das Wasser. Bei der Hitze hier am Tag sollte man davon AUF JEDEN FALL genug dabei haben.

Unsere Wanderkarte zeigt jedoch ganz in der Nähe des Stausees eine kleine Quelle, die Font de Noguer. Dort wollen wir unser Nachtlager aufschlagen. Je näher wir ihr kommen, werden wir allerdings etwas nervös. Schließlich haben wir auf dem Weg hierher eine Menge ausgetrockneter Bachläufe gesehen. Von irgendwo muss der See aber doch gespeist werden!

Und wir haben Glück: Die Font de Noguer ist aktiv und liegt an einer Straße, inmitten eines kleinen Rastplatzes. Als wir ankommen, ist gerade ein älteres Paar dabei, sich kanisterweise Wasser für zuhause abzufüllen: „Das ist das beste Trinkwasser der Insel!“ – das ist doch mal ein gutes Zeichen für unser Nachtlager!

Auf dem Rastplatz liegt eine Menge Heu herum. Wir bauen uns damit ein notdürftiges Bett, ziehen uns alle Klamotten an, die wir dabei haben und legen uns schlafen – willkommen zurück in der Zivilisation!

Wandern Mallorca Heubett

→ Hier geht es zur nächsten Etappe auf dem Trockenmauerweg auf Mallorca!

→ Für die dritte Etappe von Lluc nach Pollença hierlang!

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1 KOMMENTAR

  1. Auch dieser Bericht inklusive Bilder hat mir sehr gefallen.-Von dem Stausee und Quellen auf Mallorca habe ich auch schon mal was gelesen und gehört.es soll auf Mallorca auch einen sehr schön angelegten Garten geben,der von fliessendemWasser bewässert wird.Danke Dir,bzw.Euch !

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