Kajak-Abenteuer in der Inselwelt vor Bergen

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Kajak Abenteuer vor Glesvær

Ronny, mein Kajaklehrer, klettert ein paar Stufen auf eine Felswand hinauf und ich frage mich, was das soll. Jetzt fängt er an, etwas Braunes vom Felsen zu pulen. Es sieht aus wie Dreck, doch er steckt es sich in den Mund und kaut darauf herum.

„Probier mal!“, sagt Ronny. Ich habe keine Lust, einen zimperlichen Eindruck zu machen – also gebe ich mir einen Ruck und stecke mir ein bisschen von dem braunen Zeug in den Mund. Erstaunlicherweise schmeckt es gar nicht schlecht, der Geschmack erinnert ein bisschen an Pilze.

Navlelav Ernte vom Felsen

„Das ist Navlelav, eine Flechtenart“, sagt Ronny und ich kratze mir einen zweiten, etwas größeren Happen von der Felswand. „Enthält eine Menge Proteine, sehr gute Wildnisnahrung“, erklärt Ronny weiter.

Navlelav essen in der Wildnis

Ronny und ich sind mit unseren Kajaks unterwegs vor der Küste von Glesvær, einem kleinen Ort auf der Inselgruppe Sotra vor Bergen. Es ist meine erste richtige Expedition mit dem Seekajak, außerhalb des Hafenbeckens von Bergen, mitten in der norwegischen Natur.

Glesvær liegt eine knappe Autostunde entfernt von der Kajakschule God Tur im Zentrum Bergens, dessen Chef Ronny ist. Einige Dutzend unbewohnte Inseln gibt es hier zu entdecken. Es gibt keine Fähren und sie sind nur per Boot zu erreichen. Hier eine Karte:

Unsere Kajaks sind also wie geschaffen für unser heutiges Abenteuer zwischen den Inseln von Sotra! Zwar machen mir an diesem Februartag die Kälte und der Wind ein wenig zu schaffen, außerdem sind die Wellen hier draußen deutlich höher als im Hafenbecken von Bergen – aber ich komme schon ganz gut zurecht in meinem Kajak.

Færøyna, die Insel, auf der ich das Navlelav probiere, ist der erste Stopp unserer Paddeltour. Ich verliebe mich sofort in die kleine Bucht, in der wir an Land gehen: Eine Meereszunge ragt knapp hundert Meter in die Insel hinein. Links und rechts ragen Felswände steil nach oben, von denen im Moment zahllose Eiszapfen herunterwachsen.

Bucht vor der Insel Færøyna

Das Wasser schimmert türkis und ist glasklar. Zum Ende der Bucht wird es immer flacher und ein kleiner Sandstrand wartet auf uns. Das Wrack eines gelben Ruderboots liegt umgedreht auf dem weiß-gelben Kieselsand. Wer das wohl hier zurückgelassen hat? Und wie ist derjenige zurück ans Festland gelangt?

Während Ronny und ich das Navlelav von den Felsen kratzen, träumen wir davon wäre, hier im Sommer zu sein. Ein Zelt, ein Lagerfeuer und ein Sixpack Bier – wir sind uns einig, dass wir nicht viel mehr bräuchten für eine perfekte Sommernacht.

Kajaks am Strand von Færøyna

Aber noch ist es nicht so weit, wir steigen wieder in unsere Kajaks und paddeln weiter. Wir kommen an die Insel Måsholmen. Es ist Hochwasser, weswegen die flachste Stelle Måsholmens im Moment vom Seewasser überspült ist.

Ronny wird mir heute immer wieder Aufgaben stellen, die meine Skills beim Kajak Paddeln im Küstenbereich verbessern sollen. So soll ich jetzt an dieser Stelle die Insel mit dem Kajak überqueren: „Eine wunderbare Aufgabe für Küstenpaddler!“, ruft er, während ich versuche, über die Felsen zu paddeln.

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Irgendwann merke ich, dass der Wasserspiegel wohl doch nicht hoch genug ist: Ich sitze auf Grund, es geht weder vor noch zurück. Also steige ich aus und ziehe das Kajak watend einige Meter über die Felsen. Schnell steige ich wieder ein, paddle weiter und höre hinter mir Ronny: „Aufgabe bestanden!“.

Kajakabenteuer bei Bergen

Als nächstes gilt es, den nördlichen Risøysund zu queren. An dieser Stelle ist die See sehr offen, die Nordseewellen rollen ungebremst auf uns zu. Ein bisschen mulmig ist mir, ich habe bei der Kälte keine große Lust, zu kentern! Ab und zu bricht mir das Heck hinter mir ein bisschen weg. Das fühlt sich zwar komisch an, aber ich behalte die Kontrolle.

Bald kommen wir an der Insel Store Risøyna an. Es ist die Größte der Inseln, die wir heute erkunden werden. Inzwischen spüre ich erste Ermüdungsanzeichen in meinen Muskeln in den Oberarmen und im Rücken.

Die Paddelei in den Wellen macht sich bemerkbar und ich bin ein bisschen erleichtert, als Ronnys nächstes Kommando kommt: „Suche uns einen guten Platz zum Anlanden – wir wollen essen!“.

Insel Risøyna bei Bergen in Norwegen

Als wir unsere Kajaks geparkt haben, bin ich dafür zuständig, den Gaskocher anzuwerfen und unsere Tütensuppe aufzuwärmen. Ich finde, das ist ein riesiger Vorteil dieser schmalen Boote: Uns hätten auch ein paar Sandwichs gereicht, aber ein bisschen Übergepäck ist im Kajak nicht so ein Problem wie zum Beispiel beim Wandern.

Während ich mich um den Kocher kümmere, geht Ronny nochmal ins Wasser und sucht nach mehr Essbarem aus der Wildnis. Ich bin erstaunt über seine Ausbeute: Innerhalb weniger Minuten, die Suppe ist noch nicht ganz warm, hat er im Wasser einige Napfschnecken gefunden und zwei verschiedene Sorten Seetang. An Land gab es dazu noch eine Hand voll Wacholderbeeren.

Unsere wilde Kajak-Mahlzeit

Wir werfen alles in den Topf – wie einfach man so eine Tütensuppe anreichern kann! Und, noch erstaunlicher: Einige Minuten später merke ich, dass das Ganze sogar vorzüglich schmeckt! Wobei ich meinem Urteil natürlich nur teilweise trauen kann: Wie jeder weiß, schmeckt Essen vom Gaskocher einfach grundsätzlich hundert mal besser als vom Herd zuhause.

Nach unserer Wildnis-Mahlzeit merken wir beide, dass wir mittlerweile doch einige Stunden unterwegs waren. Wir sehen also zu, dass wir den Abwasch schnell erledigt bekommen und die Ausrüstung in den Kajaks verstauen – schließlich müssen wir noch ein bisschen paddeln, bis wir wieder zurück sind in Glesvær.

Wildnismahlzeit vom Gaskocher

Mehr über mein Kajak-Projekt in Fjordnorwegen:

→ Hier beschreibe ich mein Kajak-Projekt und was ich vorhabe.

→ Dieses Video ist während einer Übungseinheit in den Fjorden vor Bergen entstanden:

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