Bryggen: Die deutsche Brücke von Bergen

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Norwegen Bergen Bryggen

Hammerschläge und das quitschende Geräusch von Sägen hallt durch die engen Gassen zwischen den windschiefen Holzhäusern. Große und schwere Haken hängen an dicken Ketten und Tauen von ihren spitzen Giebeln. Durch die Sprossenfenster schaue ich in spärlich beleuchtete Stuben, in denen Künstler vor ihren Gemälden sitzen und Handwerker an ihren Skulpturen feilen.

In einer kleinen Kneipe mit dicken Eichentresen zapft ein rotbäckiger Wirt ohne Pause literweise Bier aus einem riesigen Fass. Durch die offene Holztür findet das Gelächter der Festgesellschaft seinen Weg nach draußen und verliert sich in einem der zahlreichen Winkel in diesem mittelalterlichen Viertel.

Jetzt müsste nur noch ein Lehrjunge mit einem dicken Sack Mehl auf der Schulter um die Ecke gebogen kommen und über seinen Meister schimpfen. Oder, besser noch: Er balanciert eine lange Holzlatte, an der der getrocknete Stockfisch baumelt – ich fühle mich zurück versetzt in die Zeit der großen Seefahrer, die Blütezeit der norddeutschen Seefahrer.

Okay, zurück zur Gegenwart: Ich dachte, ich kenne mich aus hier in Bergen. Ich war so einige Male unterwegs hier oben in Norwegen, wohne sogar im Moment für einige Zeit hier in der Fjordstadt Bergen. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten habe ich längst abgeklappert. DIE Sehenswürdigkeit überhaupt, und mit Sicherheit das beliebteste Fotomotiv hier, sind die Häuserfassaden der Bryggen, ursprünglich Tyskebryggen.

Klar, hier bin ich schon häufiger gewesen. In den Vorderen der ehemaligen Kontorshäusern befinden sich Bars, Restaurants und Cafes, die besonders bei schönem Wetter von Bergensern und Touristen bevölkert werden. Auch ich habe hier schon das ein oder andere völlig überteuerte Bier getrunken.

Mehr zum Thema:

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Umso überraschter war ich dann vor ein paar Tagen, als ich von einer kleinen Wanderung auf den Fløyen zurück in die Stadt kam. Mir stach diese riesige Siedlung aus Holzhäusern in die Augen und ich fragte meine norwegischen Freunde, was denn das bitteschön sei. „Bryggen“ kam als Antwort und ich dachte zunächst, ich hätte nicht richtig gehört. Oder ich hätte völlig die Orientierung verloren.

„Das ist doch nicht hier!“ sagte ich, „doch, klar!“, hörte ich – und ging zum ersten Mal von der Rückseite aus in das ehemalige Hanseviertel. Das, wie ich jetzt weiß, viel mehr ist, als nur die eine Reihe Holzhäuser aus dem Mittelalter – sondern eben wirklich ein ganzes Stadtviertel, auch heute noch!

Wahrscheinlich hätte ich mir doch einen Reiseführer kaufen sollen, statt mich auf meine Freunde zu verlassen. Der hätte mir zum Beispiel verraten, dass Bryggen von den Deutschen gegründet wurde. Lange hießen diese Landungsbrücken im Volksmund „Tyskebryggen“. Heute kürzt man das ab, was vor allem daran liegt, dass die Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg recht unbeliebt waren, hier in Bergen.

Das hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren wieder ein bisschen geändert – so kann ich euch jetzt einladen, auf meine…

Kleine Fototour durch das norwegische Mittelalter

Bryggen Bergen Eingang

Von der Vorderseite aus sind die Eingänge in das historische Viertel eher unscheinbar.

Eine Entschuldigung dafür, dass ich erst so spät mal rein gegangen bin, ist das aber sicher nicht.

Bryggen Bergen Gassen

Schmale und gemütliche Holzgassen verbergen sich hinter den bunten Frontfassaden.

Im Bild fehlt der Lehrling mit dem Stockfisch.

Bryggen Bergen Hanse Kran

Dieser Haken ist eigentlich viel zu klein für die dicken Säcke und wurde erst kürzlich nachgerüstet.

Er muss heute aber auch nur noch schön aussehen.

Bryggen Bergen Haken Winkel

Wenn man durch die Gassen streift, könnte man denken,

dass Bryggen noch vor der Erfindung der Wasserwaage erbaut wurde.

Bryggen Bergen Balkon

Von diesem Balkon aus hat man eine Aussicht auf eine mittelalterliche Holzwand.

Dafür ist man schnell beim Nachbarn:

Bryggen Bergen Bruecke

Schmale Holzbrücken verbinden die Kontorhäuser miteinander.

Auch sie sind schief.

Bryggen Bergen Steinhaus

Eines der wenigen Steinhäuser in Bryggen.

Sie waren im Mittelalter die einzigen, die beheizt werden durften – Brandschutz.

Bryggen Bergen Winkel

Trotzdem brannte das Viertel im Laufe der Jahrhunderte mehrmals komplett ab.

Zum Glück wurde es aber immer wieder originalgetreu aufgebaut.

Bryggen Bergen Fassaden

Diese Fassaden kennt nun wirklich jeder Bergen-Tourist.

Sogar ich – schon länger.

Bryggen Bergen Norweger Pullover

Der Handel mit Norwegerpullovern blüht noch immer.

Heutzutage holen sich die Deutschen die Ware allerdings direkt ab.

Bryggen Bergen Fenster

In dieser Kneipe habe ich noch kein Bier getrungen.

Das hole ich aber bald nach.

Bryggen Bergen Hirsch Figur

Hirschfigur an der Frontfassade.

Wahrscheinlich verdiente sich zur Hansezeit manch ein norwegischer Jäger eine goldene Nase.

Bryggen Bergen Hof

 Tja, eigentlich eine peinliche Geschichte für einen Viel-Reisenden, wie mich.

Oder ist euch schon mal was ähnliches passiert?

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