Mitsegeln: In 11 Schritten über den Ozean

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Trampen zur See: Als Mitsegler ist es nicht nur möglich, per Anhalter über die Weltmeere zu reisen, sondern eigentlich auch ziemlich einfach. Im Grunde sind keine besonderen Talente gefragt, selbst segeln muss man nicht unbedingt können – eigentlich kann das jeder!

Es gibt jedoch ein paar Dinge, die man wissen und beachten sollte, wenn man sein persönliches Abenteuer an Bord einer Segelyacht plant.

In diesem Beitrag gebe ich dir deshalb hier einen „Fahrplan“ an die Hand, wie ihr als Mitsegler Meere und Ozeane überqueren könnt, ohne unterwegs oder schon im Vorfeld böse Überraschungen zu erleben.

Mitsegeln: So funktioniert’s!

Mitsegeln: Timo auf dem Atlantik
Auf dem Weg per Anhalter über den Atlantik

1. Entscheiden!

An jedem Anfang steht die Entscheidung. Überlege, was dein Ziel ist: Willst du Segeln lernen oder kannst du es schon? Willst du Ozeane überqueren, an Regatten teilnehmen oder beides? Gute Gründe für das Mitsegeln sind Abenteuerlust, Liebe zur Natur und zum Meer oder der Drang, Neues kennen zu lernen.

Schlechte Gründe für’s Mitsegeln sind: Du stellst dir das Leben auf einer Yacht ziemlich luxuriös vor oder du möchtest einfach möglichst günstig von A nach B kommen. Wenn du Geld sparen willst, suche dir am Besten einen günstigen Flug.

2. Informieren!

Wusstest du, dass jedes Meer nur zu gewissen Zeiten, den Segelsaisons besegelt werden kann und oft auch nur in eine Richtung? Du wirst im August niemanden finden, der den Atlantik von Europa in Richtung Amerika überquert – Hurricanes! Wenn du von Südamerika nach Europa segeln willst, wirst du ziemlich wahrscheinlich einen „Umweg“ über die Vereinigten Staaten nehmen – weil die großen Windströme so wehen.

Der Klassiker schlechthin in vielen Bordbibiliotheken in Sachen Segelsaisons, Winde und Strömungen ist das Buch „Segelrouten der Weltmeere“ von Jimmy Cornell.

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Mehr zum Thema:

Du planst dein eigenes Abenteuer als Mitsegler? Hier findest du → noch mehr Infos zum Mitsegeln!


3. Lernen!

Kennst du die durchschnittliche Geschwindigkeit einer Segelyacht? Es sind ungefähr fünf Knoten, die etwa neun Stundenkilometern entsprechen. Das heißt, für eine Strecke von 40 Kilometern ist man auf See schon mal einen Nachmittag lang unterwegs. Überrascht, wie langsam das geht?

Hast du schon mal die Begriffe „Luv“ und „Lee“ gehört, kannst du Backbord von Steuerbord unterscheiden und wohin läufst du, wenn dein Kapitän dich zur Backskiste schickt, um die Fender zu holen? Kennst du den Webeleinstek oder den Palstek? Wenn du jetzt nur Bahnhof verstanden hast, lies dich schlau, oder überlege dir, eventuell sogar einen Segelkurs zu machen.

Mitsegeln lernen

4. Ausprobieren!

Du hast vor, den Atlantischen oder den Pazifischen Ozean zu überqueren, bist aber noch nie auf einem Segelboot gewesen? Woher weißt du, dass dir nicht schon beim Auslaufen aus dem Hafen kotzübel wird und du von diesem Moment an vor allem über der Reling hängen wirst und deine Hauptbeschäftigung das Möven Füttern ist?

Bevor du ein großes Projekt planst, solltest du vielleicht mal einen Tag lang oder ein Wochenende eine kleine Ausfahrt mitgemacht haben. Auf www.hand-gegen-koje.de findet man fast immer kostenlose Mitsegel-Gelegenheiten für Wochenendtörns auf der ruhigen Ostsee – probier es aus!

5. Ausrüsten!

Sind deine Klamotten warm genug für die See und wasserdicht? Bist du dir sicher, dass dein zukünftiger Kapitän dich mit deinen Straßentretern an Bord lassen wird und bist du ausgerüstet für den Fall, dass du seekrank wirst? Ein Segeltörn erfordert eine andere Ausrüstung als ein Urlaub im Vier-Sterne-Hotel! Wenn du dir nicht sicher bist, ob du alles hast, was du brauchst, wirf einen Blick auf meine Packliste für Mitsegler!

6. Bewerben!

Es gibt verschiedene Wege, „deinen“ Kapitän und „dein“ Boot zu finden. Einer der Besten ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort (siehe Punkt 2) im richtigen Hafen zu sein und einfach die Skipper und Kapitäne, die hier liegen, anzuquatschen. Eine weitere Möglichkeit ist es, in Crewbörsen im Internet Ausschau nach Mitsegel-Gelegenheiten zu halten.

Wenn du geeignete Boote gefunden hast, musst du die Skipper von dir überzeugen. Dafür hilft ein „Segler-Lebenslauf“: Ein kurzer Überblick über deine bisherige „Karriere“ auf See. Hier gehört auf jeden Fall hinein, ob und welche Scheine du hast, wie viele Seemeilen du auf dem Buckel hast und wie du an Bord helfen könntest, dass der Törn mit dir ein Guter wird.

Mitsegeln Bewerben
Aushänge am schwarzen Brett der Marina in Las Palmas de Gran Canaria

7. Vor Ort sein!

Schon während du dich bewirbst, ist es eine gute Idee, in der Gegend zu sein, wo du letztendlich mitsegeln möchtest. Segeltörns beginnen oft spontan: Der Wind und das Wetter sind ab morgen früh perfekt? Das heißt: Klar machen zum Ablegen! Wenn du jetzt erst anfängst, deine Anreise zu planen und nach einem Flug zu suchen, ist dein Boot vielleicht schon ohne dich auf dem Weg zu deinem Traumziel.

8. Zeit haben!

Es gibt auch den umgekehrten Fall: Du bist vor Ort und eigentlich war geplant, morgen abzulegen. Jedoch sind für die nächsten Tage Gewitter angesagt oder Flaute. Oder ein wichtiges Ersatzteil sollte längst geliefert worden sein, dein Kapitän wartet aber immer noch auf ein Paket. Für dich heißt das: Warten. Mach dir eine gute Zeit und halte dich bereit, bis die Bedingungen endlich stimmen. Dafür solltest du aber auch die Zeit haben.

9. Flexibel sein!

Der Wind, der Zustand des Bootes und die Laune deines Skippers entscheiden, wann du am Ende wohin segelst. Es kann sein, dass ein Törn nach Mallorca geplant war, der Wind euch aber einen Strich durch die Rechnung macht. Der Segeltörn führt dann eben doch entlang der spanischen Küste, was ja auch ganz schön sein kann.

Allerdings nur, wenn du keinen Flug von La Palma erreichen musst, niemand auf Mallorca auf dich wartet und du dort auch noch kein Hotel gebucht und bezahlt hast.

Mitsegeln Flexibel sein

10. Anpassen!

An Bord hat dein Kapitän das Sagen: Er entscheidet, wie ihr auf seinem Boot lebt. Du stehst auf gutes Essen in teuren Restaurants? Wenn dein Kapitän sparen muss und/ oder vom bordeigenen Gaskocher isst, dann solltest du dich damit zufrieden geben.

Du hast nur kurzen Urlaub und möchtest so viel segeln wie irgendwie möglich? Dein Skipper ist aber vielleicht das ganze Jahr unterwegs und legt Wert darauf, in jedem Hafen auch jede Kneipe von innen zu sehen und möglichst viele Locals kennen zu lernen.

In jedem Fall gilt: Dein Skipper ist der Boss, du hast lediglich die Wahl, mitzumachen oder zu gehen.

11. Anpacken!

Eine Segelyacht ist kein Hotel! In den wenigsten Fällen wird dein Kapitän dich aus reiner Nächstenliebe auf sein Boot lassen. In der Regel verlangt er dafür, dass du dich einbringst an Bord und bei allem, was zu tun ist, dabei bist. Und es gibt viel zu tun: Kochen, reparieren, dokumentieren, Wachschichten besetzen…

Auch, wenn es mal keine Arbeit gibt, bist du gefragt: Es kann durchaus passieren, dass dein Skipper dich mitgenommen hat, weil er unterhalten werden will. Jetzt sind deine Talente als Musiker, Geschichtenerzähler, Clown oder als Diskussionspartner gefragt.

…und los geht’s!

Sprung in den Ozean

Bist du schon mal mitgesegelt und hast noch mehr Tipps?
Was willst du noch wissen über das Mitsgeln?
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7 KOMMENTARE

  1. Hallo Timo und auch an andern Lesern,

    ich bereite mich gerade vor (zumindest versuche ich es), in den Süden zu Trämpen, über AUS IT FR nach ESP. Aufgrund meiner jetzigen Lebenssituation, muss ich raus und mich selber neu finden, der absolute Lebensreset. Aufgrund eines Kennenlernens einer sehr wichtigen neuen Person, mir ist egal wie bzw. wo lang, aber Ziel ist Medellin. Zeit habe ich nicht nur mehr als genug, eher weis ich nicht wohin damit, aber sogut wie keine Finanzen.
    Ich schreibe hier an diese Wand, und hoffe, das man mich liest, und einen Abenteuersuchenden, willige kleine Seele mitnimmt, oder mir eventuell Termine und Orte hinterlassen kann. Habe absolut keine zeitliche Begrenzungen, und kann überall hinkommen.
    Super für jegliche Info auf meine Email

    Mit vielen Dank im vorraus und liebe Grüsse
    Camino

  2. Hallo Timo,
    das hört sich ja wirklich spannend an!
    Wie ist das denn alles mit der Sicherheit für alleinreisende Frauen?
    Muss man irgendetwas bedenken?
    Ich möchte so gerne solche Abenteuer erleben, habe aber immer ein wenig Bedenken, ob das als Frau auch alles so geht.
    Vielen Dank für die Antwort!
    Isabel

  3. Hi Timo!

    Vielen Dank für die tolle informative Seite. Sind gerade im Rahmen unserer Weltreise auf der Suche nach einer interessanten Möglichkeit den Pazifik zu durchqueren und haben mitbekommen das im Juni die Segler aus Australien los starten…mal sehen ob wir Glück haben und mitgenommen werden.

    Warst du in Australien auch mal auf Bootsuche? Hast du irgendwelche Tipps für uns?

    Liebe Grüsse und weiterhin tolle Abenteuer,

    Werner

    http://www.abwesenheitsnotiz.net

  4. Und man sollte sich auch den Skipper ansehen, ob der überhaupt genug Ahnung hat, oder ein Käpt’n Blight ist…

  5. Hi… Vielen Dank fuer die Liste!
    Macht es Sinn sich, bevor man versucht ein Segelboot zu hitchhiken, einen Segelschein zuzulegen? Gibt es da irgendwelche legalen Bestimmungen und kuemmern sich die Skipper darum?
    Vielen Dank und Gruesse aus Malaysia,
    Justin.

    • Hey Justin,
      generell lauten die Bestimmungen so, dass nur ein einziges Crewmitglied die passenden Führerscheine braucht – wie im Auto. Dein Skipper sollte also die richtigen Scheine haben, und du brauchst sie nicht. Trotzdem ist es natürlich kein Nachteil, wenn du zum Beispiel in Deutschland den Sportboot See hast – schließlich dokumentierst du damit, dass du dich schon ein bisschen auskennst.
      Beste Grüße,
      Timo

      ***Update: Es gibt jetzt einen Beitrag zu dem Thema!***

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