Aussteiger-Träume: Ab ins Paradies nach Transsilvanien?

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Wandern Transsilvanien Aussteigen

Seit einem guten Jahr bin ich nach Jahren des Reisens wieder seßhaft, und zwar hier oben an der norwegischen Fjordküste. Dazu führe ich ein ziemlich selbstbestimmtes Leben als Freiberufler. Für viele bin ich seitdem ein echter Aussteiger.

Ich sehe mich selber eigentlich gar nicht so – das Thema „Aussteigen“ finde ich trotzdem sehr spannend. Da passte es mir in den Kram, als mich kürzlich Andreas Tola Pohl kontaktierte und von seinem Projekt erzählte: Andreas möchte aussteigen und sich in Transsilivanien eine neue Existenz aufbauen – gemeinsam mit seiner Frau und seiner einjährigen Tochter!

In diesem Gastbeitrag erzählt Andreas von seiner Idee – und legt uns die aufregende Gegend mitten in Rumänien ans Herz:

Aktivitäten Sommer TranssilvanienWer träumt nicht von einem Leben in der Wildnis? Abgeschnitten von der modernen Zivilisation und den damit einhergehenden Belästigungen?

Permanent berieselt uns die Werbung, Verkehrslärm und Feinstaub überall – unsere Sinne sind ständigem Stress ausgesetzt, immer mehr Menschen zieht es deshalb weg davon.

Hinaus in die Natur! Ich habe mit meiner kleinen Familie genau das vor.

Dass auch ein Aussteigerleben seine Schattenseiten hat, ist jedoch auch uns klar. Zumal meine Frau Ioana und ich seit einem Jahr auch noch eine kleine Tochter an unserer Seite haben. Da ist das in der Theorie einfache „Zelte abreißen und aussteigen“ mit viel mehr Überlegungen verbunden.

Warum wir es dennoch wagen? Für unsere Tochter, für uns, und um auch anderen zu zeigen, dass ein alternativer Lebensstil möglich ist. Ohne sein „normales“ Leben komplett an den Nagel zu hängen.

Unsere neue Heimat bauen wir uns in Siebenbürgen auf. Posaga, ein kleines Dorf 60 Kilometer vom Internationalen Flughafen Klausenburg entfernt. Transsilvanien!

Die Familie meiner Frau lebt hier und auf ihrem Grundstück steht eine seit Jahrzehnten verwahrloste Scheune, die wir zu einem Bio-Retreat und zu unserem persönlichen Rückzugsort ausbauen wollen.

Die Kolonien der Siebenbürger Sachsen

Siebenbürgen Rumänien aussteigen TranssilvanienTranssilvanien, oder Siebenbürgen, liegt zwar weit im Osten Europas mitten in Rumänien, ist aber Mitteleuropa in vielerlei Hinsicht viel näher ist als dem Balkan. Die Gegend war bereits im Mittelalter bei deutschen Auswanderern als neues Siedlungsgebiet beliebt.

Ab dem Jahre 1150 wurden Siedler im großen Stil in Transsilvanien angesiedelt. Ihre Aufgabe war es, das ungarische Königreich vor Angriffen aus dem Osten zu verteidigen, und die Wirtschaft zu beleben – was ihnen auch gelang. Aus dieser Zeit stammt auch der deutsche Name für Transsilvanien: Siebenbürgen.

Mehr zum Thema:

Hier findest du die Beiträge über mein → Leben am Fjord in Norwegen.

Und hier lernst du → mehr Aussteiger und ihre Projekte kennen.

Dass es den Siedlern dort gefiel, kann ich gut nachvollziehen: Die Landschaft im Karpatenbogen ist in seiner Schönheit und Vielfalt einzigartig. Endlose Wälder machen in den Tälern kleinen Dörfern Platz, deren Weiden sich auf die umliegenden, sanft geschwungenen Hügel erstrecken.

Die Menschen bewirtschaften die Natur hier schon seit Jahrhunderten – und zwar auf nachhaltige Art und weise, von der Mensch und Natur profitieren. Landwirtschaft und Handwerk finden hier nach wie vor nur in Kleinstbetrieben statt, die in direkter Abhängigkeit von der Natur leben.

Umgekehrt trägt die Landwirtschaft auch aktiv zur Artenvielfalt in der Natur bei: Ohne den Weidebetrieb beispielsweise gäbe es die vielen kleinen Grasflächen nicht, auf denen zahlreiche in Europa rar gewordene Gräser und Blumen farbenprächtige Blütenteppiche zaubern.

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in Transsilvanien

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  • Sanfte Hügel, raue Berge und gute Luft zum Atmen – Transsilvanien ist perfekt zum Wandern! Sowohl die gut ausgebauten Wanderwege im umliegenden Naturschutzgebiet, als auch die Pfade der Viehhirten des Dorfes laden zu ausgedehnten Ausflügen in die Natur ein.Festes Schuhwerk und etwas Ausdauer sind Pflicht, als Belohnung gibt es grandiose Naturlandschaften, einen bezaubernden Artenreichtum in der Pflanzenwelt und, wenn man Glück hat, auch einige der Wildtiere zu sehen.
  • 40 Kilometer von dem Dorf entfernt befindet sich Turda, die frühere Hauptstadt der Region. Die einstmals emsige Handelsstadt ist inzwischen deutlich ruhiger geworden – hat jedoch immer noch eine Attraktion zu bieten, eine alte Salzmine.Sie wurde im Zuge des touristischen Aufschwungs in der Stadt aufwendig ausgebaut, und bietet neben viel zum Sehen und Staunen auch eine besondere Raumluft. Sie soll, wegen des hohen Salzgehaltes, besonders gesund sein – und wird sogar für Kuren eingesetzt. Übrigens wird in Turda bereits seit der Besiedelung durch die Römer Salz abgebaut.
  • Siebenbürger Sachsen: In der Umgebung gibt es zahlreiche deutsche Stadt- und Dorfgründungen, in die man Ausflüge unternehmen kann. Allen voran Kronstadt und der malerische Ort Deutsch-Weißkirch.Anhand von Architektur und Lebensart ist der Einfluss der deutschen Siedler in der Region allgegenwärtig, und nicht nur für Geschichtsfans eine interessante Facette, die kein Siebenbürgen-Besucher verpassen sollte.
  • Viehmarkt: Im Nachbardorf findet regelmäßig ein riesiger Viehmarkt statt, an dem die Kleinbauern der Region ihre Tiere handeln. Es ist laut, riecht deftig, und der Umgang ist derb. Ein buntes Treiben, wie es auf deutschen Tiermärkten wohl letztmals vor 100-200 Jahren der Fall war. Eine kleine Zeitreise, Kulturschock garantiert.
  • Die Geburtsstadt Draculas! : Was sich wirklich hinter der Legende des blutrünstigen Fürsten verbirgt, erfährt man wohl am besten in dessen Geburtsstadt Schäßburg. Das Geburtshaus der Romanvorlage dient heute als Museum. Von unserem Gästehaus aus ist die Stadt in 2-3 Stunden zu erreichen, wobei die Fahrt selbst bereits durch malerische Landschaften führt.
  • In direkter Nachbarschaft zu unserem Gut liegen die tiefen Wälder Transsilvaniens (lat.: trans=jenseits, silva=Wald), in denen bis Heute Wölfe, Luchse und Bären auf die übrigen Waldbewohner Jagd machen, und ein deutliches Zeichen für die Gesundheit des dortigen Ökosystems sind.

Vom Kuhstall zum Bio-Gästehaus

Transsilvanien Rumänien MenschenBis wir unsere kleine Aussteiger-Kolonie in dieser ursprünglichen Umgebung beziehen können, liegt jedoch noch eine Menge Arbeit vor uns.

Natürlich sind die vergangenen Jahrzehnte auch trotz der massiven Blockbauweise nicht vergangen, ohne Spuren an der Scheune zu hinterlassen. Das Dach ist durchlöchert, einige Bretter morsch, der Heuboden ohnehin zu schwach um später einmal die Last von Betten und Möbeln zu tragen.

Beide Türen schließen nicht ordentlich, der Boden besteht derzeit noch aus Lehm, die Isolierung ist nur mit Kuhmist vorhanden, Fenster gibt es gar keine.

Außerdem wollen wir auch das umliegende Grundstück – immerhin stolze 10.000 Quadratmeter – etwas umgestalten. Wir wollen den bereits vorhandenen Obstgarten erweitern und planen außerdem einen Kräutergarten, ein Laubengang und zahlreiche wilde Blumenbeete.

Auch die Umzäunung fehlt noch; wir wollen das Grundstück mit einer Totholzhecke umringen.

Kurz: Es gibt viel zu tun!

Transsilvanien Rumänien HütteUnd am Ende führt natürlich auch kein Weg am lieben Geld vorbei. Obwohl wir so viel wie möglich der anfallenden Arbeiten selbst erledigen werden, bei einigen Dingen werden wir professionelle Hilfe brauchen.

Auch, weil unser Zeitplan ziemlich knapp ist: Wir haben nur drei Monate Zeit, bevor wir wieder unseren Verpflichtungen im normalen Leben nachgehen müssen. Zudem werden auch einige der Baumaterialien gekauft werden müssen.

Um das Ganze zu stemmen haben wir auch eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, den Link dazu findet ihr weiter unten. Die Finanzierung auf lange Sicht wollen wir durch die Herstellung eigener Biogüter, sowie durch die Bewirtschaftung unserer Scheune als Bio-Gästehaus garantieren.

Ab Frühling 2018 werden wir über die warmen Monate des Jahres in Siebenbürgen leben, und in diesem Zeitraum bis zu sechs Personen eine Unterkunft bei uns zur Verfügung stellen.

Durch gemeinsame Besuche der traditionellen Handwerksbetriebe, Beinenzüchter und Viehhirten, wollen wir vor allem gestressten Städtern ein Leben näher bringen, wie es in Deutschland zuletzt vor 100-200 Jahren existierte.

Auf Wanderungen in dem umliegenden Naturschutzgebiet können sie auch auf eigene Faust eine Natur erleben, die in Europa einzigartig ist.

Die Verpflegung übernehmen, wo gewünscht, auch wir: Mit ausgesuchten, lokal in Kleinstbetrieben hergestellten Biolebensmitteln. Eier von den eigenen Hühnern, Wurst vom Schweinehirten des Dorfes, Käse von der Büffelherde des Nachbarn und selbst gebrannter Schnaps vom Onkel meiner Frau.

Wenn alles klappt, seid ihr herzlich eingeladen uns nächsten in unserem kleinen Paradies im Karpatenbogen zu besuchen!

Über Andreas und seine Familie:

Andreas Tola Pohl ist 28 Jahre alt und hat in den letzten Jahren in verschiedenen Orten in Deutschland und im Ausland gelebt – unter anderen eben in Rumänien, aber auch in Ostafrika.

Im Moment lebt Andreas mit seiner rumänischen Frau Ioana und mit der gemeinsamen kleinen Tochter Dhalia (ein Jahr alt) in Franken.

Im Moment befinden sich die beiden in Elternzeit, was ihnen den Freiraum zum Planen ihrer Zukunft gibt. Sonst ist Andreas Nautiker und arbeitet in der Frachtschifffahrt, Ioana ist Dokumentarfilmerin. Auf ihrem Youtube-Channel gibt es auch einige Eindrücke aus Transsilvanien!

Vor einigen Tagen ist die Crowdfounding-Aktion für ihr Projekt angelaufen, alle Infos dazu findet ihr auf der Startnext-Seite. Noch mehr über das Gut in Transsilvanien gibt es auf der Website des zukünftigen Bio-Retreats.

Hier stellen die drei sich und ihre Idee noch einmal im Video vor:

Was haltet ihr von Andreas‘ Projekt? Spielt ihr mit dem Gedanken, auszusteigen – oder habt ihr es bereits getan? Ich freue mich über eure Gedanken – in den Kommentaren!

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