Nike und ihr Segelboot „Karl“ – die White Spot Pirates

Nike Steiger kommt wie ich aus Hamburg, sie ist 32 und damit nur unwesentlich älter als ich und sie hat das getan, wovon ich seit Jahren träume: Im letzten Sommer hat Nike ihren Job gekündigt, ist nach Panama geflogen und hat sich dort ein Segelboot gekauft.

„Karl“, Nike und ein Refit in Panama

Seit letztem August ist Nike jetzt in Panama und kümmert sich um ihr Boot – das sie auf den wunderschönen Namen „Karl“ getauft hat. „Karl“ war recht günstig zu haben, als Nike zuschlug, das hatte aber auch seine Gründe. Schaut mal, wie das Boot aussah, als Nike es übernommen hat:

Dies ist die erste Folge aus Nikes Video-Podcast „White Spot Pirates“
Deshalb sind die beiden noch immer in Panama, im Moment ist das Boot noch an Land und Nike pflegt ihren Karl. Auch abseits des ganzen Schimmels aus dem Video oben, hatte „Karl“ auch sonst noch so manche Reparatur nötig: Zuletzt entdecke Nike einige Löcher im Aluminium-Rumpf ihres Schiffes, so dass Nike unter der lateinamerikanischen Sonne in den letzten Monaten vor allem mit Schleifen, Schweißen und Pinseln beschäftigt war.

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Auch wenn ich Nike die ganze Zeit sehr gewünscht habe, dass es „Karl“ ganz bald besser gehen würde und sie uns mit tollen Bildern von blauem Wasser und goldenen Stränden versorgen kann – irgendwie war es auch ganz gut, dass sie bislang vor allem von den schweißtreibenden Arbeiten an ihrem Boot berichtet. So kriegen Nicht-Segler mal gezeigt, was für eine Plackerei es sein kann, seinen Traum in den Tropen zu leben.

Jetzt ist es aber – wenn alles gut geht – wirklich bald soweit: Vielleicht wird „Karl“ schon an diesem Wochenende endlich wieder zu Wasser gelassen. Vorher hat Nike es trotz der ganzen Arbeit, in der sie momentan bis zum Hals steckt, geschafft mir einige Fragen zu beantworten, die mir besonders unter den Nägeln brannten.

Hier das Interview mit einer echten Abenteurerin:

Nike Steiger

Nike, wie ist dieser verrückte Plan entstanden, wie kam die Idee?

Irgendwie hat mich die Idee schon seit meiner Jugend fasziniert, mit meinem eigenen Segelboot auf den Weltmeeren rumzuschippern. Die Mischung aus Reisen, dem Leben im Einklang mit der Natur, die Reduktion auf das Notwendige und die Herausforderung, sich ständig in neue Bereiche einarbeiten zu müssen, das fühlte sich so an, als sei es genau das Richtige für mich. Und es roch irgendwie nach der großen Freiheit…

Nach dem Abi hatte ich dann mal ein bisschen recherchiert, was man wohl so ungefähr investieren müsste und da ich zu der Zeit das Budget nicht hatte, hab ich angefangen zu studieren…und zu arbeiten. Aber ich hab dann schnell gemerkt, dass die Arbeit im Büro nicht so mein Ding ist, hab mir eine kleine Auszeit genommen, meinen Rucksack gepackt und eines Abends habe ich während dieser Reise beschlossen: Wenn diese Segelreise das ist, was du machen willst, dann mach es. Das wird schon irgendwie klappen. Und von da an hatte ich einen Plan…

Wie finanzierst du dir dein Abenteuer? Hast du gespart oder kannst du auch von unterwegs arbeiten?

Seit der Entscheidung, dass ich die Reise machen will, hab ich mich komplett in die Arbeit gestürzt und ordentlich gespart. Ich hab ein bisschen Geld von meiner Oma geerbt, das ich in das Boot investiert habe, das war eine große Hilfe. Aber ich muss auf jeden Fall zwischendurch arbeiten.

Mein Erspartes reicht für die ersten großen Investitionen und wird mich einige Zeit über Wasser halten. Ich halte aber immer Augen und Ohren offen, was Arbeit unterwegs angeht und habe schon viele getroffen, die mir gezeigt haben, dass es durchaus möglich ist.

Nike Steiger und Karl

Wie kam es denn dazu, dass du dein Boot in Panama gekaufst hast, und nicht irgendwo in Deutschland oder Europa?

Ich hab lange Zeit in Europa gesucht und mir viele unterschiedliche Boote angeschaut. Irgendwann hatte ich mich dann auf Metall festgelegt und später dann spezieller auf eine Reinke.

Die Preise waren aber doch immer noch recht hoch und eines Tages hat mir eine befreundeter Segler erzählt, dass er jemandem in Panama geholfen hat, eine neue Einspritzpumpe zu installieren und dass die Besitzer einen Käufer suchen. Er hatte das Boot gesehen und wusste, dass der Motor in Ordnung ist und das Boot in einem brauchbaren, wenn auch überholungswürdigen, Zustand ist.

Aufgrund der Lage des Bootes und da es schon seit fünf Jahren dort lag, war es zudem ein sehr attraktives Angebot. Und ich dachte mir: Hey, ein Refit in Panama, wo es warm ist und man die Karibik vor der Haustür hat, ist sicher auch nicht all zu schlecht.
Und dann saß ich auch schon im Flieger…

Hast du Pläne oder Ideen für eine Route oder lässt du alles auf dich zukommen?

Erstmal muss ich Karl fit machen. Zumindest so, dass er sicher ist. Kleine Projekte kann ich sicher unterwegs erledigen, aber die Basics werden wohl auch noch etwas Zeit in Anspruch nehmen – mehr als geplant. Diese Saison wollte ich dann ein bisschen in der Karibik „spielen“. Das Schiff kennenlernen, vor allem aber auch gucken, ob ich es schaffe, Karl einhand zu segeln.

Wenn das alles gut klappt und ich das Gefühl habe, dass ich mich sicher fühle mit mir selbst und mit Karl, dann würde ich gerne in den Pazifik… und wenn alles so verläuft, wie ich es mir in meinen Träumen ausmale, dann würde ich Karl gerne zurück nach Europa segeln. Aber davon bin ich im Moment noch Meilen entfernt – und das leider nicht nur geographisch.

Hast du eigentlich schon viel Blauwasser-Erfahrung? Welche Scheine hast du?

Ehrlich gesagt, nein. Ich hab den SKS, seitdem ich 16 bin und hab mir die Theorie für den reingezogen. Ich hab den SRC und LRC zum Funken und Pyro, klar. Ich hatte noch mal überlegt, den Yachtmaster Offshore zu machen, das scheint mir eine sehr gute Ausbildung zu sein, die wesentlich mehr Fokus auf die praktische Anwendung des Wissens legt als der SSS zum Beispiel. Aber dann hatte ich das Boot und wollte loslegen…

Ich habe aber auch schon überlegt, als Crew noch mal eine längere Passage mit zu segeln, um mir ein bisschen etwas von einem erfahrenen Skipper abzugucken. Also falls jemand eine freie Koje hat…

Segeln Panama Insel Gross

Wie haben deine Freunde und deine Bekannten in Deutschland auf deinen Plan reagiert?

Die waren eigentlich alle begeistert. Natürlich kommen auch Fragen wie „was machst du denn danach?“ und

Meinst du, du findest danach wieder den Einstieg in die Arbeitswelt?

und ein bisschen Sorge konnte ich auch ab und zu raushören. Aber ich glaube, dass die meisten es gut finden, dass ich meinem Traum nachgehe.

Von Haus aus bist du eine Marketing-Frau, musstest und musst aber auch noch viel am Boot basteln. Hast du auch handwerklich was drauf?

Schon als Kind hab ich immer gerne gebastelt bzw. mit meinen Händen gearbeitet. Mein Vater hatte eine kleine Werkstatt und da haben wir früher ab und zu ein bisschen zusammen gewerkelt.

Außerdem finde ich es super spannend, herauszufinden, wie die Dinge funktionieren und wie man sie reparieren kann. Ich glaube, dass wir heutzutage viel zu weit weg sind von den Sachen, die uns täglich umgeben. Wenn man ein Schiff hat, muss man sich in viele neue Bereiche reinfuchsen und lernt unheimlich viel. Das ist eine tolle Herausforderung und wenn die Reparatur dann klappt, dann ist es wie eine Droge, die dich total aufputscht.

Wie reagieren denn eigentlich die Segler in Panama auf eine Frau, die alleine unterwegs ist?

Viele sind überrascht, wenn sie hören, dass ich versuche, dieses Projekt alleine zu meistern. Aber ich glaube, sie finden es mutig und super viele Segler bieten mir ihre Hilfe an.

Es ist wirklich überwältigend, wie hilfsbereit die Segler-Community ist.

Für die Einheimischen ist das, was ich mache, eine totale Verrücktheit. Die können überhaupt nicht verstehen, dass eine Frau so ein Projekt macht, ständig von Kopf bis Fuß voll ist mit Diesel oder Sägespäne und das auch noch gut findet.

Was bereitet dir die größten Sorgen, worauf freust du dich am meisten? Was ist deine größte Hoffnung?

Im Moment sind es, wie du dir vorstellen kannst, die Löcher in meinem Rumpf. Das hat mich schon etwas mitgenommen, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass auch diese Hürde überwunden werden kann. Meine größte Sorge unterwegs ist das Kentern, ich weiß auch nicht genau, woher diese Angst kommt.

Und am meisten freue ich mich auf den Moment, wenn ich mit Karl unterwegs bin, ihm und mir vertraue, über mir der Sternenhimmel, eine gute Briese im Gesicht und nur das Rauschen des Meeres, das um Karls Rumpf spielt. Meine größte Hoffnung ist es, das ich mich wirklich sicher fühle, alleine zu segeln und mich komplett frei von allem fühle. Und es wäre schon irre, wenn ich mit Karl mal irgendwann in Hamburg einlaufen würde.

Mittlerweile sind die Löcher dicht!

Willst du komplett Einhand unterwegs sein oder wirst du auch Mitsegler mitnehmen? Nur Freunde, oder auch „Tramper zur See“?

Gerade am Anfang würde ich gerne Mitsegler mitnehmen. Hab ich ja auch schon gemacht. Das können Freunde von Zuhause aber auch neue Freunde von unterwegs sein.

Wenn ich mich dann ein bisschen mehr eingefuchst habe, und es klappt, möchte ich schon gerne alleine unterwegs sein. Aber es werden sicher immer mal wieder Leute an Bord sein für eine bestimmte Zeit.

Du lebst gerade meinen Traum. Welche Tipps hast du für mich, dass ich ihn auch irgendwann wahr machen kann?

Wenn ich das richtig verfolgt habe, dann hast du doch schon viele solcher Projekte gemacht, oder? Ich wüsste jetzt gar nicht, was dich davon abhalten sollte, ein Schiff zu kaufen und los zu segeln? Du scheinst doch genau die richtige Einstellung zu haben, um deine Träume zu realisieren…

Ich glaube, dass es bei den meisten Leuten die Sorge ist, aus dem „Normalen“ auszubrechen und sich in solch eine gefühlt unsichere Position zu begeben.

Und es hängt ja auch immer davon ab, was man sich für die Zukunft generell so vorstellt. Aber wenn man etwas flexibel in seiner Lebensgestaltung ist, und sich auch mit ein bisschen weniger Geld zufrieden geben kann, dann ist es gar nicht so schwer, so ein Projekt zu machen.

Gibt es etwas, was du gerne den Bruder-Leichtfuß-Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Für mich war es extrem hilfreich, mir ganz genau die Hürden anzuschauen, die mich davon abhalten, meinen Traum umzusetzen. Und dann ganz subjektiv zu bewerten, ob diese Hindernisse tatsächlich so eine große Relevanz für mich haben, oder ob sie hauptsächlich aufgrund von Erwartungen von außen existieren.

Ich würde jetzt nicht auf meinem eigenen Segelboot in Panama sitzen, wenn ich das vor ein paar Jahren nicht gemacht hätte.

Nike Steiger Strand Panama

Vielen Dank für dieses Interview und viel Spaß mit „Karl“!

Mehr über Nike und „Karl“:

Nike ist eine begnadete Youtuberin, bei der ich mir für meine eigenen Video-Ideen noch so einiges abschauen kann. Jeden Freitag postet sie ein Video über den aktuellen Stand der Dinge – perfekt, um sich eine Vorstellung von Nikes Leben an Bord eines Segelbootes oder auch einfach nur zum Träumen. Ihr Youtube-Kanal heißt White Spot Pirates und es lohnt sich definitiv, ihn zu abonnieren!

Außerdem hält Nike ihre Fangemeinde, die mittlerweile riesig ist und weiter rasant wächst, auf Facebook auf dem Laufenden – gebt ihr euer Like: White Spot Pirates bei Facebook.

Auf ihrem Blog laufen alle ihre Fäden zusammen – er eignet sich sehr gut zum Stöbern und für einen Überblick über ihr Projekt.

Ein weiteres hörenswertes Interview hat Hinnerk Weiler, Weltumsegler und Korrespondent zur See mit Nike geführt, bevor ihr Projekt losging – hier könnt ihr reinhören!

Hier gibt’s mehr Segler-Interviews:

Hast du auch noch Fragen an Nike?
Bewunderst du sie wie ich, oder machst du dir Sorgen, ob das alles klappt?
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Timo Peters
Timo Petershttps://www.bruderleichtfuss.com
Timo Peters ist der Gründer und Chefabenteurer bei bruderleichtfuss.com. Ich verbringe meine meiste Zeit auf Reisen und stehe auf Abenteuer aller Art. Ich bin gerne in der Natur unterwegs: Zu Land wandere ich mit meinem Zelt durch die Wildnis, zur See gerne auf Segelbooten. Außerdem habe ich eine Leidenschaft für Reisen per Anhalter. Hier findest du mehr Infos über mich und diesen Blog.

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